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Klarinettenkonzert op. 47

Entstehung: 1973
Verlag: Breitkopf & Härtel
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H. Schroeder über sein Klarinettenkonzert ...

(Auszug aus einem Radioninterview zum 70. Geburtstag von H. Schroeder)

Herr Schroeder, glauben Sie, daß man heute als Musiker überhaupt noch eine Funktion in diesem Musikleben ausfüllen kann?

Ich glaube weder, daß man eingespannt werden soll, noch daß man Freiwild wird. Die Ganzheit des Menschen, auch des Komponisten, kommt doch eigentlich nur dann zu Tage, wenn er für etwas schreibt. Sich nicht als kleiner Beethoven empfinden und etwas komponieren und keine Rücksicht nehmen auf irgendetwas, sondern ganz praktisch für diesen oder jenen, für diesen Musiker oder für dies Ensemble oder für diesen Zweck. Diese Gebundenheit an das echte und wahrscheinlich doch immer notwendige Musizieren, glaube ich, das wird einen auch davon abhalten, daß man in die Experimente sich so weit verstrickt, daß man, wie gesagt, keinen Ausweg mehr daraus findet. Und so sehe ich auch ein Konzert: Wie Mozart seinen Leuten die Arien auf die Kehle geschrieben hat, soll man heute einem Klarinettisten oder irgendjemandem das Stück gewissermaßen auf seinen Leib, auf seine Klarinette schreiben und, ich glaube, damit haben wir das erreicht, daß die Musik sich dann hinterher auch im Musizieren auswirkt.

Wars beim Klarinettenkonzert ähnlich?

Da wars ähnlich, nicht wahr, das ist genau so gekommen, daß der Kollege Klein sagte: "Sie könnten eigentlich mal ein Klarinettenkonzert schreiben. Sie haben schon ein Flötenkonzert, ein Oboenkonzert und das fehlt eben noch." Und da bin ich drangegangen.

Dieses Klarinettenkonzert haben Sie, als eine der jüngsten Arbeiten, vor kurzer Zeit geschrieben. Ist hier eigentlich der Konzertcharakter nach dem alten "konzertanten Prinzip" nun wieder aufgelebt oder ist da eine neue Perspektive hinzugekommen?

Ja, er ist nach dem alten ausgerichtet. Also er ist insofern nicht modern – modern paßt ja sowieso bei uns in der Kunst nicht. Da steckt das Wort "Mode" drin, und mit Mode ist im Grunde keine Kunst zu machen. Es ist insofern alt, weil ich in dem klassischen Prinzip von 3 Sätzen bleibe, wobei der 1. Satz in das Dramatische geht, der 2. dem Soloinstrument die lyrische Kantilene bietet und der 3. mit rhythmischen Finessen dem Instrument den letzten Glanz verleiht. Ich sehe in einer solchen Dreisätzigkeit die beste Möglichket, eine Musik für ein Soloinstrument mit einem Orchester zu schreiben.

Wolfgang Erpenbeck schreibt über das Klarinettenkonzert im Programmheft zu einer Essener Aufführung am 8. Juli 2004 in der Philharmonie mit der Solistin Nicola Salami und dem Essener Jugend-Symphonieorchester unter der Leitung von Wolfgang Erpenbeck:
"Das klassisch besetzte, durch Glockenspiel, Xylophon, Triangel, Becken und Kleine Trommel farbig bereicherte Orchester ist von seiner Wirkung her eher kammermusikalisch durchsichtig angelegt. Der 1. Satz ("Allegro") beginnt mit einem klanglich abgefederten Orchesterschlag, aus dem sich das Soloinstrument impulshaft herauslöst und, nach einer steigernden Wiederholung, zu einer unerwartet angespannten Beruhigung findet. Erst dann beginnt die Klarinette ihr virtuoses Spiel, das sich zu einem lebhaften, monothematischen Wettstreit mit dem Orchester entwickelt und bereits nach 60 Takten von einer bravourösen Kadenz unterbrochen wird. Danach beginnt, jetzt temporeicher und dichter, das wetteifernde Miteinander von neuem, um schließlich abrupt im Fortissiomo zu enden.
Der Mittelsatz ("Poco adagio") beginnt mit einer aus der Tiefe des Klarinettenklanges heraus sich entwickelnden Kantilene, die, sparsamst von den Streichern assistiert, vom Horn, dialogisierend mit der Klarinette, fortgesponnen wird, um sich in einem vorläufigen Abgesang zu vollenden. Die vom Orchester eingeleitete Verlebendigung springt auf das Soloinstrument über, bestimmt auch den erneuten Horn-Klarinetten-Dialog, um, nach einer kadenzhaft selbständigen Solopartie, von getragenen Horntönen und einer sich beruhigenden Streicherbegleitung im Pianissimo zu verenden.
Mit dem "Poco presto" des 3. Satzes und seinen prägenden Taktwechseln ist es dem Komponisten gelungen, dem Konzert einen tänzerisch mitreißenden Schuss zu geben."



Orchesterwerke (Auswahl)
Klavierkonzert op. 35