Biografie
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1904 bis 1945
1946 bis 1961
1962 bis 1984
Bernkastel-Kues
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Lichter, Wolfgang

Wolfgang Lichter, geboren am 12. Mai 1933 in Berlin, gestorben am 29. März 2025 in Bernkastel-Kues, wirkte als Schulmusiker und Orchesterdirigent in Bernkastel-Kues. 1953 machte er das Abitur am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Trier und studierte von 1953–1957 Schulmusik an der Musikhochschule in Köln sowie Deutsch an der dortigen Universität. 1958 schloss er das Studium für das Lehramt am Gymnasium mit dem 1. Staatsexamen in Musik und Deutsch ab.



Nach der Referendarzeit und ersten Unterrichtstätigkeiten in Staufen, Freiburg und Konstanz kam er 1961 an das Nikolaus-von-Kues-Gymnasium nach Bernkastel-Kues, wo er 1964 zum Studienrat, 1971 zum Studiendirektor und Leiter der Mainzer Studienstufe ernannt wurde. In Bernkastel-Kues entfaltete er eine umfangreiche und sehr erfolgreiche musikalische Arbeit und gründete ein Schulorchester und einen Schulchor, mit dem er regelmäßige Konzerte mit Orchestermusik, Chormusik, Kammermusik und auch szenischen Musikaufführungen leitete.

1962 gründete er zusammen mit dem Musikwissenschaftler Dr. Felix Schroeder (der jüngere Bruder von Hermann Schroeder) das "Bernkasteler Kammerorchester", dessen musikalische Leitung er viele Jahrzehnte lang innehatte. In seinen Konzerten führte er ein umfangreiches Repertoire an Orchesterwerken auf, das Spektrum reichte von Bachs Brandenburgischen Konzerten über Sinfonien von Haydn, Mozart oder Beethoven, Solokonzerten aus Klassik und Romantik bis hin zu Werken des 20. Jahrhunderts. Die Förderung junger Musikerinnen und Musiker war ihm ein besonderes Anliegen und viele seiner Schüler hatten hier Gelegenheit, Erfahrungen im Orchesterspiel zu machen, sich musikalisch zu entwickeln und die großen Werke der Musikgeschichte durch praktisches Musizieren kennenzulernen. Viele haben später selbst den Weg eines Musikstudiums eingeschlagen.

Wolfgang Lichter war ein gutes Beispiel dafür, wie ein Schulmusiker das Musikleben einer ganzen Region gestalten und durch die von ihm geleiteten Konzerte musikalisch nachhaltig prägen kann. 1999 gründete er außerdem das Orchester "Camerata Cusana", das er bis zu seinem 89. Lebensjahr (2022) leitete. Sein außergewöhnliches Engagement für die Musikkultur der Region kommt auch darin zum Ausdruck, dass er 21 Jahre lang Vorsitzender des "Vereins der Freunde und Förderer des Moselmusikfestivals" war und die Gründung des Moselmusikfestivals (1985) tatkräftig unterstützte, zusammen mit Hermann Lewen, dem ersten Intendanten des Festivals.

Während seines Studiums an der Kölner Musikhochschule hatte Wolfgang Lichter Unterricht bei Hermann Schroeder in Musiktheorie, Musikgeschichte und Formenlehre. Hier wurden die Grundlagen für sein jahrzehntelanges erfolgreiches musikalisches Wirken gelegt. Mit dem Bernkasteler Kammerorchester und der Camerata Cusana führte er auch Kompositionen Schroeders auf, darunter die "Festliche Musik für Streichorchester und Klavier", die Kantate "Leben und Bestehen" für Chor und Orchester nach Texten von Eichendorff, das Konzert für Violine und Orchester sowie im Festgottesdienst zum 600. Geburtstag des Kardinals und Philosophen Nikolaus Cusanus (2001) das Adagio aus dem "Konzert für Streichorchester". Lichter gehörte 1994 zu den Mitbegründern der Hermann Schroeder-Gesellschaft und war dort viele Jahre lang im künstlerischen Beirat aktiv. Von 1999 bis 2017 organisierte er maßgeblich den Internationalen Orgelwettbewerb um den Hermann Schroeder-Preis in Himmerod und Trier, an dem junge Organistinnen und Organisten aus vielen Ländern teilnahmen. Für sein ehrenamtliches musikalisches Engagement wurde er 2005 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. (Text: Dr. Rainer Mohrs)

"Auf dem Hintergrund eines enormen Fachwissens, das er zeitlebens zu erweitern suchte, mit großer Energie, Gewissenhaftigkeit, Empathie für Schüler/innen und Kolleg/innen und Begeisterung für die Musik engagierte er sich in seinem Beruf. Bei allen Gelegenheiten – Aufführungen des Orchesters, von Orchester und Solisten oder von Orchester und dem von seiner Frau Ute Lichter geleiteten Ballett – entfaltete Wolfgang Lichter eine große Ausstrahlung auf das Musikleben der Moselregion und legte immer großen Wert darauf, junge Künstler zu engagieren und zu fördern."
(Dr. Karl-Heinz Musseleck in seiner Ansprache auf der Trauerfeier im Kloster Machern am 11. April 2025)

Literaturhinweise

Wolfgang Lichter, Orgelwettbewerb um den Hermann-Schroeder-Preis im Rahmen der Orgelfestwochen im Kultursommer Rheinland-Pfalz, in: Mitteilungen der Hermann-Schroeder-Gesellschaft, Heft 2, 2000, S. 46-49

Matyas Seiber, Dance Suite. 7 Moderne Tänze, für Orchester bearbeitet von Wolfgang Lichter. Partitur und Stimmen, Mainz 2009 (Schott)




Lennartz, Thomas
Lilienfelder Cantorei Berlin