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Variationen über den tonus peregrinus

Entstehung: 1975
Dauer: 12 min.
Beispiel-Download: PDF der Introduction [115 KB]
Verlag: Schott ED 6625
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Einspielungen des Werkes

Prezioso CD 800.029 u.a. "Responsorien der Karwoche" und "Pauliner Orgelmesse" (Trierer Domchor u.a.)

6. Orgelwettbewerb u.a. Variationen über den Tonus peregrinus und Partita "Veni creator spiritus"



Dr. Raimund Keusen zu den Variationen über den tonus peregrinus (Auszug aus seinem Vortrag über das Orgelwerk Schroeders):

Dieser bei Komponisten so beliebte Psalmton hat seine eigenartige Bezeichnung seit dem späten Mittelalter, "als er neben den schon bestehenden 8 regulären Psalmtönen … entwickelt wurde. (…) Seinen Namen verdankt er entweder dem so genannten Pilgerpsalm 'In exitu Israel de Aegypto' (Psalm 113), der auf seine Formel gesungen wurde, oder seiner "Fremdartigkeit innerhalb des Systems der Psalmtöne" (Riemann, Sachteil, S. 971f). Gerade diese Fremdartigkeit macht ihn für Komponisten so reizvoll, besteht diese doch darin, dass der tenor nach der mediatio, der Mittelkadenz, von a nach g wechselt, was ihn gerade bei Variationen hochwillkommen macht.
Gerade auch in der Canticumspsalmodie des Magnificat, und hier vor allem im Protestantischen, genießt er hohe Wertschätzung. Im Protestantischen ist es im Gegensatz zur Eingangsformel des Magnificat üblich, auch schon den Eingangsvers der Formel zu unterwerfen.

Er erhält dann auch den Namen tonus novissimus oder tonus nonus, und als neunter Ton findet er seit dem 17. Jahrhundert im Rahmen der Magnificatvertonungen, ich sagte es schon, in die Orgelliteratur Eingang. Das beginnt im 17. Jahrhundert mit Samuel Scheidt's Magnificat noni toni (als Versettenvertonung), setzt sich im 18. Jahrhundert mit Bach fort. Hier nenne ich für die Orgel den Titel "Meine Seele erhebet den Herren" (das ist ja die Lutherübersetzung des "Magnificat anima mea Dominum") aus den 6 Schübler-Chorälen BWV 648 (das ist die Bearbeitung des Duetts Nr. 5 aus der gleichnamigen Kantate BWV 10) sowie eine "Fuge über das Magnificat" BWV 733. Ihnen allen ist ja auch Bachs Magnificat-Vertonung ein Begriff: hier greift er auf den peregrinus im Vers 9 "Suscepit Israel puerum suum" zurück, indem er ihn durch die Oboe zitieren lässt, während der 3-stimmige Knabenchor (eben die "pueri') ihn kontrapunktieren – ein wahrhaft eindrucksvolles Stück. Im Evangelischen Gesangbuch wird er sogar als Kanon 3-stimmig, leicht verändert, in einer Komposition von Paul Ernst Ruppel von 1938 zum Gesang angeboten. Die Tradition erreicht schließlich auch Schroeder in seinen Variationen von 1975.

Seine Variationen werden durch eine Introduktion eingeleitet, deren Substanz melodisch das Auf- und Ab der kleinen Terz (a-c-a) ist. Der Introduktion schließt sich an das "Thema", dessen Satz in der Oberstimme den gesamten Psalmton bringt, von den Unterstimmen in frei-tonalem Satz, fast ständig synkopiert, begleitet. Es schließen sich 10 Variationen an, die man aufgrund ihrer jeweiligen (relativ) einheitlichen Struktur in früheren Zeiten "Figural-Variationen" genannt haben würde, stünden dieser Klassifizierung bei Schroeder nicht entgegen eine wechselnde Taktanzahl bei 9-taktigem Thema (zwischen 15–30 Takten in den Variationen) sowie die wechselnden Schlüsse (4-mal a, zweimal e, zweimal c, zweimal d, das letzte Mal D-Dur). Freilich weisen gerade diese unterschiedlichen Tonalitäten auf die schillernde Tonalität des peregrinus hin. Übrigens, nur am Rande bemerkt, hat Schroeder später auch "Variationen über einen eigenen Psalmton" geschrieben (Süddeutscher Musikverlag, Heidelberg 1983), dessen Anfang dem peregrinus nachempfunden sein könnte.


Anspieltipp auf YouTube

Maria-Magdalena Kaczor spielt die "Variationen über den tonus peregrinus" an der Steinmeyer-Göckel-Orgel von St. Franziskus in Pforzheim:
www.youtube.com/watch?v=u8YGlbk6Xac~



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