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Partita "Veni creator spiritus"

Sätze: Toccata – Ostinato – Bizinium – Arioso – Fantasia/Ricercare
Entstehung: 1959
Dauer: 13 min.
Beispiel-Download: PDF vom 5. Satz [118 KB]
Verlag: Schott ED 4989

Einspielungen des Werkes

6. Orgelwettbewerb u.a. Variationen über den Tonus peregrinus und Partita "Veni creator spiritus"



Dr. Raimund Keusen über die Partita "Veni creator spiritus" (Auszug aus seinem Vortrag über das Orgelwerk Schroeders):

Der Text dieses berühmten Hymnus de Spiritu sancto wird Hrabanus Maurus (9. Jh.) zugeschrieben, die Melodie ist rund 1000 Jahre alt. Die bereits bei der Besprechung der Marianischen Antiphone herausgehobene Dienstbarkeit am gregorianischen Choral zeigt sich hier fast noch etwas gesteigert. Die Vorliebe für Ostinati und Motorik, für kanonische Führung und Varianten, für lyrisches Verweilen inmitten fast improvisiert wirkender Abläufe, synkopierte Wendungen, enggeführt über sequenzartigem ductus der cantus zeugen von der hier schon weit jenseits aller bloß handwerklichen Fähigkeit, den gregorianischen Choral der Orgel dienstbar zu machen und zu erregender Aktualität zu bringen. "Veni creator spiritus" ist für mich ganz unbezweifelbar Höhepunkt alles Schroederschen Schaffens in diese Richtung.

Die monumentalen Eckpfeiler des Hymnus sind die einleitende Toccata (1) und die Schluss-Fantasia/Ricercare (5). Eingeschlossen von beiden liegt das aus einem siebentaktigem Bass von Achteln kontrapunktierte, den cantus in der Oberstimme behandelnde "ostinato" (2), das in seiner Strenge und Askese einen scharfen Kontrast zur Einleitung bildet. Das den cantus frei behandelnde Bizinium (3) mit seiner hellen, manuellen Spielfreude und Bewegtheit setzt sich vom Arioso (4), das über harmonischen Stützen der Unterstimmen, von denen der Bass wieder ostinat geführt ist, den Hymnus in der Oberstimme, frei coloriert, bringt, ab. Dieses bereitet das Schlussstück Fantasia-Ricercare (5) vor: in der Pracht der Fantasie überwiegt das Improvisationsmoment; das Ricercare, in Form der alten motettischen (Choral-) Fuge, schließt sich an, die letzte Zeile verlangt das volle Werk der Orgel, über den wuchtig einherschreitenden c. f.-Noten des Pedals führen Laufwerk und Akkorde zur freien mixolydischen Kadenz.

So bildet der Abschluss das würdige Gegenstück zur einleitenden Toccata, die nur in ihrem lichten Mittelteil den cantus ganz brachte, während Anfang und Schlusstakte der Toccata mehr freies Meditieren über die Worte "Veni creator Spiritus", das Herabflehen des Heiligen Geistes, darstellen, wofür wohl auch die beiden Schlusstakte im 3/2 Takt stehen, die das "Amen" zum Inhalt haben. "Eine Steigerung der Aussage erscheint nach diesem Zyklus kaum mehr möglich, der auch im technischen Schwierigkeitsgrad dem Spieler alles abverlangt. " (R. Keusen, Das Orgelwerk Hermann Schroeders, in: Musica sacra 84, 1964, S. 78). Übrigens: Zur fast derselben Zeit entsteht eine Partita "Veni creator" von Kaspar Roeseling (1960 gedruckt bzw. erschienen). Ein Vergleich beider Werke verlohnte sich sehr wohl, sprengt aber den heutigen Rahmen. Immerhin: hier rufen zwei Vertreter der so genannten Kölner Schule zur gleichen Zeit den Heiligen Geist höchst eindringlich und kompetent an, was sich vermutlich so in Köln nicht allzu oft ereignet haben dürfte.


Literatur

Franz Schultz: Hermann Schroeders Orgelpartita "Veni creator spiritus". Stilistische Analyse und Vergleich mit Bearbeitungen des gleichen c.f. von Ahrens, David, Pepping und Roeseling [671 KB] , in: Mitteilungen der Hermann-Schroeder-Gesellschaft, Band 6, 2015, S. 75-87



Orgelsonate Nr. 1
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