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12. Tagung 2007 in Treis-Karden

Im kunst- und religionsgeschichtlich interessanten Umfeld von Treis-Karden (Mosel) fand am 27./28. Oktober 2007 die 12. Tagung der Hermann-Schroeder-Gesellschaft statt. Dabei verband sich das mittelalterliche Ambiente des Stiftsbezirks rund um St. Castor in idealer Weise mit der zeitgenössischen, gleichermaßen aber auch traditionsverbundenen Musik Hermann Schroeders. Karden gehört nach Trier zu den frühesten Stätten des Christentums an der Mosel. Auf dem „Martberg“ zwischen Karden und Pommern befand sich seit dem 1. Jahrhundert vor Christus zunächst ein bedeutender keltischer Tempelbezirk, der ein wichtiger heidnischer Versammlungsort für die gesamte Region war. Im 4. Jahrhundert siedelte sich der heilige Castor im römischen Dorf „Cardena“ an und sorgte allmählich für die Christianisierung des Ortes. Seit dem späten 9. Jahrhundert war Karden dann Sitz eines Kollegiatstifts und Zentrale für einen der fünf Verwaltungsbezirke des Erzbistums Trier. Die romanische und frühgotische Basilika St. Castor (1121 geweiht) und der historische Stiftsbezirk aus dem 13. Jahrhundert boten den idealen Rahmen für die Musik Hermann Schroeders, der sich um die Verbindung von Altem um Neuem bemüht und Gregorianik, mittelalterliche Polyphonie und zeitgenössische Musik zu einer Synthese verschmilzt.

Am Sonntag fand in der Stiftskirche St. Castor ein Lateinisches Hochamt mit Musik von Hermann Schroeder statt. Das Vokalensemble „Schola Gregoriana“ unter der Leitung von Dekanatskantor Sven Scheuren sang Schroeders „Marienmesse“ für dreistimmigen Frauenchor und Orgel (1952) in lupenreiner Intonation und mit hellen, gut geschulten Stimmen. Klare Zeichnung der polyphon geführten Stimmen und gutes Gespür für die reizvollen harmonischen Rückungen und Klangwirkungen waren die Eckpfeiler für eine mustergültige Interpretation dieser selten zu hörenden Messe. Gleiches galt für die nach der Kommunion vorgetragene dreistimmige Motette „Wunderschön prächtige“ aus dem „Marienliedern“ op. 8b (1935). Dechant Winfried Kollig widmete seine Predigt der Bedeutung der Kirchenmusik für die Liturgie und beschrieb Hermann Schroeders Werk als ein Beispiel für den immerwährenden Versuch der Menschen, für den Glauben, das Gebet und das Verhältnis zu Gott einen adäquaten künstlerischen Ausdruck in der Musik zu finden.

Im Anschluss an den Gottesdienst spielte Sven Scheuren auf der historischen Stumm-Orgel (1728) Orgelmusik von Buxtehude und Schroeder. Buxtehudes Toccata in d (BuxWV 155) und das Präludium g-Moll (BuxWV 163) wurden stilgerecht und virtuos interpretiert, mit der nötigen agogischen Freiheit, aber auch mit Gefühl für prächtige Klangwirkungen und lebendige Artikulation der barocken Spielfiguren. Von Schroeder erklang der Zyklus „Praeambeln und Interludien“ (1953) sowie einige Stücke aus den „Bagatellen“ für Orgel (1982). Sie zeigen Schroeder als Meister der kleinen Form, der mit vielfältigen satztechnischen, harmonischen und rhythmischen Mitteln ein prächtiges Kaleidoskop und eine „klingende Formenlehre“ schuf. Sven Scheurens engagierte Interpretation brachte die Vielfarbigkeit dieser Zyklen meisterhaft zur Geltung.
Dass Schroeder nicht nur Kirchenkomponist war, sondern auch anspruchsvolle Kammermusik komponierte, unterstrich ein Konzert mit dem „Hölderlin Streichquartett“ am Samstagabend im historischen Saal des Stiftmuseums Karden. Das 4. Streichquartett aus dem Jahre 1968 wurde gespielt von Rebecca Martin und Christian Friedrich (Violine), Meike Beyer (Viola) und Teemu Myöhänen (Violoncello), umrahmt mit Streichquartetten von W.A. Mozart und Felix Draeseke. Dabei erklang erstmals die Spätfassung des 4. Streichquartetts, bei der Schroeder den Mittelteil des 2. Satzes neu komponiert hat. Die Streichquartette Nr. 4 und 5 sind als Band 27 der Reihe „Denkmäler rheinischer Musik“ 2007 erstmals im Verlag Dohr erschienen.

In der Mitgliederversammlung wurden Vorstand und Beirat neu gewählt. Der Vorstand besteht aus: Dr. Rainer Mohrs (1. Vorsitzender), Ferdinand Henkemeyer (2. Vorsitzender), Lisa Henn (Schriftführerin), Hans-Ulrich Adamek (Schatzmeister) sowie Ingrid Müglich und Dr. Claudia Soentgen-Schroeder. In den Beirat wurden gewählt: Prof. Peter Becker (Hannover), Wolfgang Erpenbeck (Essen), Prof. Klaus Fischbach (Trier), Prof. Clemens Ganz (Lohmar), Willi Kastenholz (Köln), Dr. Raimund Keusen (Bonn), Thomas Lange (Marl), Wolfgang Lichter (Bernkastel-Kues), Benno Morsey (Köln), Prof. Friedrich Radermacher (Hilden), Prof. Dr. Wilhelm Schepping (Neuss) und Helge Schmutzler-Baumgart (Lieser).

Die nächste Tagung der Hermann-Schroeder-Gesellschaft findet am 19.-20. September 2008 in Trier statt, in Verbindung mit dem „5. Internationalen Orgelwettbewerb um den Hermann-Schroeder-Preis“. Der Orgelwettbewerb lässt den Teilnehmern mehr Wahlmöglichkeit als in der Vergangenheit: Pflichtstück von Schroeder ist im 1. Durchgang die Choralfantasie „O heiligste Dreifaltigkeit“, im 2. Durchgang können die Teilnehmer aus einer Reihe von Schroeder-Werken auswählen. Außerdem wird im 1. Durchgang eines der großen Choraltrios über „Allein Gott in der Höh’ sei Ehr“ von J.S. Bach verlangt, im 2. Durchgang einer der drei Choräle von César Franck. Im Finalkonzert können die Kandidaten ein großes Werk des 19. und 20. Jahrhunderts sowie ein Stück von Schroeder frei wählen. Die Jury besteht wieder aus: Prof. Anne Froidebise, Lüttich; Prof. Clemens Ganz, Köln (Vorsitz); Prof. Johannes Geffert, Köln; Domorganist Josef Still, Trier; Prof. Wolfgang Stockmeier, Velbert und Prof. Alain Wirth, Luxemburg.


Einladung zur 12. Tagung 2007