Biografie
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1904 bis 1945
1946 bis 1961
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Lemacher, Heinrich

Heinrich Lemacher wurde am 26. Juni 1891 als Sohn des Kirchenmusikdirektors Clemens Lemacher und seiner Frau Maria, geb. Rennenberg, in Solingen geboren. Von 1911 bis 1916 studierte er am Konservatorium zu Köln, wo Franz Bölsche sein Theorie-Lehrer war. Gleichzeitig studierte er unter Ludwig Schiedermair an der Bonner Universität Musikwissenschaft, wo er 1916 mit der Disssertation "Zur Geschichte der Musik am Hofe zu Nassau-Weilburg" promoviert wurde. Nach Militärdienst von 1916 bis 1918 lebte Lemacher in Köln als Komponist, Kritiker und Privatmusiklehrer. Er gründete 1924 das Seminar für Privatmusiklehrer im Reichsverband deutscher Tonkünstler und Musiklehrer, das er bis 1933 leitete. Von 1925 bis zu seiner Emeritierung 1965 unterrichtete er Komposition, Theorie und Musikgeschichte an der Hochschule für Musik Köln, seit 1928 als Professor. Gleichzeitig unterrichtete er an der Rheinischen Musikschule und der Universität Köln. Er starb am 16. März 1966 in Köln.

Lemacher war Mitgründer der Gesellschaft für neue Musik Köln (1921), der Internationalen Gesellschaft für Neue katholische Kirchenmusik (1927) und des Deutschen Komponisten-Verbandes (1954). Von den 20ern bis in die 60er Jahre gehörte Lemacher zu den führenden Komponisten katholischer Kirchenmusik in Deutschland. Seine Intention als Komponist und Lehrer war es, die stilistische Einengung der "musica inter muros" des "Cäcilianismus" zu überwinden und den Anschluss der "musica sacra" an die "musica profana" durch gute Gebrauchsmusik zurückzugewinnen. Seine Instrumentalmusik steht vor allem im Dienst der Musikpädagogik und der Hausmusik. Zu seinen zahlreichen Schülern zählten u.a. Hermann Schroeder und Bernd Alois Zimmermann.

Mit Hermann Schroeder verband Heinrich Lemacher ein besonders inniges kollegiales Verhältnis. Schon in dem von Lemacher mit Karl Gustav Fellerer herausgegebenen "Handbuch der Kirchenmusik" (Essen 1949) war Schroeder mit dem Beitrag "Der kirchenmusikalische Satz" vertreten. Gemeinsam gaben Lemacher und Schroeder heraus: Lehrbuch des Kontrapunktes (Mainz 1950), Generalbaßübungen (Düsseldorf 1954), Harmonielehre (Köln 1958) Formenlehre (Köln 1962). Für die kirchenmusikalische Praxis edierten Lemacher und Schroeder gemeinsam: "Pange lingua" - 13 Sakraments- und Herz-Jesu-Lieder für Oberstimmen (Augsburg o.J.), "Prozessionale" - Bläsersätze zu Prozessionsliedern (Düsseldorf o.J.). "Stella maris" - Eine Sammlung von Mariengesängen für Oberstimmen (Augsburg o.J.), "Tantum ergo" - Acht Kompositionen alter und neuer Meister (Düsseldorf 1947), "Te Deum" - Geistliche Gesänge für Oberstimmen (Düsseldorf o.J.).

Die Sammlung "Tantum ergo" enthält Vertonungen dieses Hymnus von Ludovico da Vittoria, Anton Bruckner, Michael Haller, Clemens Lemacher, Heinrich Lemacher, Hermann Schroeder und Bernd Alois Zimmermann. Als solche ist sie ein Beispiel für die Überzeugung Lemachers wie Schroeders von einer "gewachsenen", in der Tradition wurzelnden Modernität in der katholischen Kirchenmusik. Anlässlich des Todes von Heinrich Lemacher instrumentierte Schroeder im Auftrag des WDR dessen Klavierwerk "Fanfaren" für großes Orchester (1966). In seinem Aufsatz "Der Kompositionslehrer in unserer Zeit" schrieb H. Schroeder in der Festschrift "Musikalisches Brauchtum" über seinen Lehrer: "Auf Grund der aus seinem zahlreichen Schülerkreis hervorgegangenen Komponisten hat man in der Kirchenmusik nicht zu Unrecht von der 'Kölner Schule' gesprochen. Gemeint sind die Komponisten, die auf der Grundlinie Lemachers stehen: sie basieren auf dem aus der Gregorianik entwickelten vokalen Prinzip und denken an das in der kirchenmusikalischen Praxis Erreichbare und Mögliche, gewinnen aber ihren persönlichen und echten Stil aus der liturgischen Haltung. (…) So muss man Lemacher als den großen Anreger einer ganzen Generation bezeichnen, der nicht nur satztechnisches Können vermittelt, sondern Freund und Berater in jeder künstlerischen und menschlichen Situation war und blieb: ja er blieb es allen seinen Schülern über die Studienzeit hinaus für das Leben. Als besonders uneigennützig und großzügig muss seine Einstellung dem Werk seiner Schüler gegenüber gerühmt werden: keiner hat von irgend einer anderen Seite eine solch intensive und tatkräftige Förderung erfahren."

Literatur

W. Hammerschlag / A. Schneider (Hg.), Musikalisches Brauchtum. Festschrift Heinrich Lemacher (= Schriftenreihe des Allgemeinen Cäcilien-Verbandes, Band 1), Köln 1956

J. Dahlberg, Studien zur geistlichen Chormusik Heinrich Lemachers (= Kölner Beiträge zur Musikforschung, Band 131), Regensburg 1983 (mit vollständigem Werkverzeichnis)

Hermann Schroeder, Der Kompositionslehrer in unserer Zeit, in: Musikalisches Brauchtum (s.o.), Köln 1966, S. 27-29




Klein, Franz
Lenart, Adam